Hans-Joachim Riecke

Ministerialdirektor im RMfdbO

Orientalische Cigaretten-Kompagnie „Rosma“ GmbH (Hrsg.): Männer im Dritten Reich, Bremen 1934.

Lebenslauf

20. Juni 1899 Geburt in Dresden
bis 1914 Schulbesuche in Riesa, Berlin, Schneeberg und Leipzig;
Abgang mit dem Versetzungszeugnis in die Obersekunda
Herbst 1914 Eintritt in das Heer als Freiwilliger
April 1917 Beförderung zum Leutnant der Reserve
1918 wegen mehrfacher Verwundung Tätigkeit als Werbeoffizier für das Freikorps Hülsen
1919 – 1920 Teilnahme am lettischen Unabhängigkeitskrieg innerhalb der „Eisernen Division“
März 1920 Teilnahme am Kapp-Putsch
ab 1920 Mitglied im „Bund Oberland“ (bzw. „Freikorps Oberland“)
1920 – 1922 landwirtschaftliches Praktikum und Anstellung als Feldverwalter auf einem Rittergut nahe Leipzig
1922 – 1925 Studium der Landwirtschaft an der Universität Leipzig;
Abschluss als Diplomlandwirt
15. Juni 1925 Eintritt in die NSDAP
1925 – 1933 Tätigkeit bei der Landwirtschaftskammer Westfalen (Münster), zuletzt als Landwirtschaftsrat und Abteilungsleiter
1929 Übernahme der SA-Führung in Münster
1931 – 1933 Mitglied der NSDAP-Gauleitung Westfalen Nord;
Gaufachberater für Landwirtschaft und Arbeitsdienst, Adjutant von Gauleiter Meyer
1933 – 1935 Staatsminister in Schaumburg-Lippe
1936 – 1939 Ministerialdirektor im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft (RMEL)
22. August 1939 Einberufung zum Wehrdienst auf eigenen Wunsch;
Teilnahme am Westfeldzug
1941 – 1944 Abteilungsleiter Ernährung und Landwirtschaft im Wirtschaftsstab Ost des Vierjahresplanes und im RMEL;
zudem Leiter der Chefgruppe Landwirtschaft im Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete (RMfdbO)
ab 1. Juni 1942 kommissarischer Staatssekretär im RMEL
17. Juli 1944 Staatssekretär im RMEL
23. Mai 1945 Verhaftung als stellvertretender Minister Herbert Backes in der Regierung Dönitz
1945 – 1949 Inhaftierung in Mondorf (Luxemburg), Oberursel, Nürnberg und Darmstadt
30. Oktober 1950 Einstufung durch die Zentralspruchkammer Hessen in die Gruppe 2 der „Belasteten“;
Widerspruch ohne Erfolg
1951 – 1970 Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung und Prokurist beim Getreidekonzern Alfred C. Toepfer
12. Mai 1954 Gnadengesuch;
Einstufung als „Mitläufer“ nach Zahlung von 500 DM
1958 – 1976 stellvertretender Vorstand der Alfred-Toepfer-Stiftung F. V. S.
1962 – 1964 Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Paderborn wegen Rieckes möglicher Beteiligung an der Ermordung des jüdischen Sozialdemokraten Felix Fechenbach;
Einstellung des Ermittlungsverfahrens
11. August 1986 Tod in Hamburg

Literatur

Benz, Wigbert: Hans-Joachim Riecke, NS-Staatssekretär. Vom Hungerplaner vor, zum „Welternährer“ nach 1945, Berlin 1945.

Benz, Wigbert: Hans-Joachim Riecke (1899-1986). Hungerplaner und NS-Staatssekretär, online: Zukunft braucht Erinnerung, 11. Juni 2017.

Lilla, Joachim: Statisten in Uniform. Die Mitglieder des Reichstags 1933-1945. Ein biographisches Handbuch, Düsseldorf 2004, S. 512f.

Schulzki-Haddouti, Christiane: „Dass Millionen verhungerten, sah er als logische Folge“. Der Historiker Wigbert Benz im Interview über den NS-Staatssekretär Hans-Joachim Riecke, online: evangelisch.de, 12. Oktober 2014.

Zellhuber, Andreas: „Unsere Verwaltung treibt einer Katastrophe zu…“. Das Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete und die deutsche Besatzungsherrschaft in der Sowjetunion 1941-1945 (= Berlin & München. Studien zu Politik und Geschichte, Bd. 3), München 2006.

Quellen

IfZ München, ZS 508, Hans-Joachim Riecke.

 

Normdaten

GND: 130519618

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